Lonely Planet kommt in Verruf
- 17. April 2008
- Reiseliteratur
- 5 Kommentare
Nun ist es soweit, spätestens nach meinem Indientrip mit dem Lonely Planet (englisch, neueste Ausgabe September 2007) im Gepäck, weiss ich es selbst (ohne ein Besserwisser zu sein): Der Lonely Planet lügt. Oder zumindest Teile davon. Hatte ich auch in meinen Überlebenstipps für Indien berichtet, unter Punkt 23.
Hier und hier und hier wird nun berichtet, dass ein Autor abgeschrieben hat. Was ist der Stein des Anstoßes?

Bisher war der LP dafür bekannt, gut recherchiert zu berichten. Authentisch und aus der Sicht eines Backpackers. Und es wird auch garantiert, dass alles sorgsam recherchiert wurde.
Alles gelogen. Einer der Lonely Planet Autoren hat nun ausgepackt und gleich ein Buch geschrieben. Wegen der niedrigen Bezahlung dealte eer mit Drogen, nahm Bestechungsgeschenke an und schrieb “Super Kundenservice” weil er Sex mit der Kellnerin hatte. Er erfand Texte und Geschichten und schrieb aus anderen Reiseführern ab. Auch hätte er Annehmlichkeiten wie ermäßigte Hotelübernachtungen und kostenlose Mahlzeiten bejaht, aber dennoch niemals positive Berichterstattung proklamiert.
Seinen Beitrag für “Lonely Planet” über Kolumbien habe er von San Francisco aus geschrieben, weil ihm der Verlag nicht genug für die Reise gezahlt habe.
Meine Meinung
Nicht nur in Indien trifft man massenweise Backpacker, die mit dem LP reisen. Da sitzt man in einem Restaurant und auf jeden Tisch liegt einer. Aha, deshalb sitzen wir alle in diesem Restaurant hier. Und denken, es ist gut, da es im LP steht. Ist ja meistens auch so.
Was aber viel schwerwiegender ist: Die Preise der Hotels oder Restaurants gehen meist in die Höhe, sobald sie im LP verzeichnet sind. Denn die Gäste kommen, so oder so. Unsere Preise in Indien stimmten nur zu 20%, man konnte stets bis zu 50 % draufschlagen. Die Cafes, Restaurants und Hotels werben damit. Bei jeder Möglichkeit. Auf ihren Webseiten, in ihren Flyern oder mit großen Bannern, die über der Straße hängen.
Da sieht man, welche Macht ein solcher Reisebuchverlag hat. Zumindest einer in der Größe des Lonely Planet.
Beispiel 1: Dieser Ayurveda Beaty Shop wirbt mit dem LP.
Beispiel 2: Ein Cafe in Udaipur mit einem großen Banner über der Strasse.
Was mir noch aufgefallen ist und weshalb ich in Zukunft mehr als den Lonely Planet dabei habe: Bilder. Auch wenn die Dinger echt dick sind, mir fehlen Bilder um zu entscheiden ob ich dort hinmöchte oder nicht….
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Klar, dass man nicht immer vor Ort sein wird, um einen Reiseführer zu schreiben. Wenn die Erstausgabe oder eine Generalüberholung erarbeitet wird, dann muss natürlich intensiv das jeweilige Land bereist werden. Wenn es aber um einfache Aktualisierungen geht (Hotelpreise, Öffnungszeiten, mögliche Fluglinien), dann genügt sicherlich auch die Realisierung von einem anderen Ort aus. Bei Lonely Planet werden derartige Arbeiten sowieso zum Großteil von Melbourne, Australien, aus erledigt, wo der Verlag seinen Stammsitz hat.
Es mag dabei durchaus sein, dass nicht jeder der Autoren so ausführlich recherchiert, wie es sein sollte und dass ab und zu auch auf Sekundärquellen zurückgegriffen wird. Solange das Endprodukt aber im Vgl. zu alternativen Reiseführern immer noch die Nase vorn hat, reicht mir dies persönlich auch aus.
hallo gnomad,
ich weiss nicht, ob man von einem journalist generell auf alle journalisten / redakteure schliessen kann. mir ist der typ suspekt allein schon dadurch, dass er illegitimes macht, das auch noch zugibt und versucht, neue kohle durch ein eigenes buch zu verdienen. man kann nicht unrecht mit unrecht begründen und dann so tun, als ob das rechtens wäre. der typ ist nicht koscher und marktmacht von lonely planet hin oder her, man sollte objektiv bleiben.
@ Kahunablogger: Danke für deine Meinung und die Infos. Es kommt sicherlich auf die Art des Reisens an. Für Backpacker ist der LP sicherlich immer noch erste Wahl, auch wenn sich die Qaulität von Land zu Land unterscheidet.
@betravel: Nein, natürlich kann man nicht alle Reisejournalisten über einen Kamm scheren…
Nils ich muss dir Recht geben, wenn ich einen Führer schreibe, muss ich wissen wovon ich rede. Klar kann man es nicht verallgemeinern, aber ich habe mich beruflich gesehen mal einen zeit mit solchen Heften und der Ostseeregion beschäftigt und musste feststellen das auch sehr viel “Müll” in solchen Veröffentlichungen steht. ich gewann teilweise den Eindruck, das mir als Einwohner auch ein “Bitte nicht füttern” Schild ganz gut stände. Eine ordentliche Arbeit erfordert auch ordentliche Recherche!
Ich berichte ja hier und auf anderen meiner Webseiten von meinen Reisen. Und jedesmal sage ich mir: Wenn ich irgendwo in Urlaub war, dann schreibe ich darüber viel einfacher, kann es mir vorstellen und auch nur dann kann ich bewerten ob es ein Geheimtipp oder Bullshit ist.
Deshalb sollte jeder Reisejournalist auch vor Ort gewesen sein und keinen Ghostwriter beauftragen…